Spielzeit 2012/13

Auf den ersten Blick haben sich Rosalind, die Tochter des Herzogs, und Orlando, der jüngste Spross des verstorbenen Sir Rowland de Boys, ineinander verliebt. Doch an ein Happy End ist nicht zu denken, denn Rosalind muss um ihr Leben bangen: Nachdem ihr Vater von seinem eigenen Bruder entmachtet wurde und mit seinem Gefolge geflohen ist, ist auch sie bei Hofe nicht mehr sicher. Verkleidet als junger Edelmann Ganymed folgt sie ihrem Vater in den Wald von Arden und bezaubert dort die Schäferin Phoebe, die daraufhin ihren Verehrer Silvius nur umso harscher zurückweist. Auch Orlando, der von seinem Bruder um sein rechtmäßiges Erbe gebracht wurde, verschlägt es in das grüne Idyll. Dort trifft er auf einen seltsam an­drogynen jungen Edelmann, der erstaunlich viel über Frauen und die Liebe zu wissen scheint und der verspricht, Orlando von seinem Liebeskummer zu heilen: der ideale Lehrmeister für Orlando, denn der kann immer nur an Rosalind denken …

Wie der Zauberwald im “Sommernachtstraum” oder Prosperos Insel in “Der Sturm” wird der Wald von Arden zum utopischen Ort der Visionen, der Selbstfindung und der Verwandlung, zum Königreich der Freiheit, der Natur und der Poesie. Das Spiel mit vorgetäuschter und echter, erwiderter und nicht erwiderter Liebe, mit Wunsch und Erfüllung kenn­zeichnet in Shakespeares melancholisch-­dunkler ­Komödie die Suche nach der eigenen Identität ebenso wie das Suchen und Finden der (wahren) Liebe. - © Schauspiel Essen

  • Inszenierung: Martin Schulze
  • Bühne: Daniel Roskamp
  • Kostüme: Ulrike Obermüller
  • Musik: Dirk Raulf
  • Dramaturgie: Carola Hannusch 

Das Buch machte seinen Autor 1961 schlagartig berühmt, Stanley Kubricks Verfilmung zehn Jahres später wurde Kult: Alex und seine Gang ziehen Nacht für Nacht durch die Stadt und stürzen sich auf wehrlose Opfer – zynisch, grausam und gewissenlos. Eine solche grundlose Lust an Gewalt und Zerstörung verstört auch heute noch. Unsere Gesellschaft steht den Verbrechen ohnmächtig gegenüber und sucht nach Erklärungsmustern: wohlstandsverwahrlost, Migrationshintergrund, ADHS, Traumata in der Kindheit, strenge Eltern, schwache Eltern, Prekariatsumfeld, mangelnde Bildung, religiöser Eifer, Orientierungslosigkeit in einer globalisierten Welt, Überforderung durch ein Zuviel an Möglichkeiten, Ausweglosigkeit mangels Perspektiven … Die “Lösung” in Anthony Burgess’ Roman ist effektiv: Gehirnwäsche! Fortan entwickelt Alex schon beim Gedanken an Gewalt körperliche Schmerzen und wird so konditioniert als “geheilt” entlassen. Doch ist er jetzt noch ein Mensch? Oder bloß ein mechanisch funktionierendes Uhrwerk?

Ausgehend von “Clockwork Orange” beschäftigt sich Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer (“Ulrike Maria Stuart”) in seiner Bühnenfassung mit aktuellen Entwicklungen der Gehirnforschung und Neurobiologie. Darf man das Gehirn stimulieren bzw. manipulieren, wenn man damit Gewalttaten verhindern kann? Ist “Neuro-Enhancement” die Lösung allen Übels – oder eher ein Quell des Bösen? Ist es Optimierung oder Doping, Verbesserung oder Entmenschlichung? Kann man das Böse überhaupt auslöschen? Ist der Preis dafür der Verzicht auf Individualität und Selbstbestimmung? Tritt dann eine künstlich implantierte Moral an die Stelle persönlichen Empfindens?

Hermann Schmidt-Rahmer hat sich bereits in einem Theaterprojekt am HAU (Hebbel am Ufer, Berlin) mit künstlicher Intelligenz und Gehirnforschung befasst und setzt die Beschäftigung mit diesem Themenfeld zwischen Wissenschaft und Wahn, visionärem Einsatz und Hybris, Manipulation und Fortschrittsdenken nun mit “Clockwork Orange” fort.

Hermann Schmidt-Rahmer wurde 1960 in Düsseldorf geboren. Er studierte Musikwissenschaft und Philosophie in München und absolvierte ein Schauspielstudium an der Universität der Künste Berlin. Nach Engagements an der Freien Volksbühne Berlin, am Schauspielhaus Köln, dem Hamburger Schauspielhaus und dem Wiener Burgtheater arbeitet er seit 1990 als freier Regisseur, u.a. in Köln, Berlin, Basel, am Theater Dortmund, am Düsseldorfer Schauspielhaus sowie am Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Er arbeitet zudem als Autor und Übersetzer und ist Professor für Szene an der Universität der Künste in Berlin. Hermann Schmidt-Rahmer hat am Schauspiel Essen in der letzten Spielzeit Elfriede Jelineks “Ulrike Maria Stuart” inszeniert. Diese Inszenierung wurde beim NRW-Theatertreffen 2012 mit dem Preis für die beste Inszenierung und für die beste Schauspielerin (Bettina Schmidt) ausgezeichnet. In der Kritikerumfrage der “Welt am Sonntag” wurde sie zweimal als beste Inszenierung genannt. - © Schauspiel Essen

  • Inszenierung: Hermann Schmidt-Rahmer
  • Bühne: Thilo Reuther
  • Kostüme: Michael Sieberock-Serafimowitsch
  • Dramaturgie: Carola Hannusch
  • Videografie: Karolin Killig

Woden und Mimi sind Schwestern. Sie ziehen ohne Ziel umher in einer leeren Welt, in der ein nicht näher definierter Krieg tobt. Die beiden vertreiben sich die Zeit mit Witzen, Rollenspielen und Erinnerungen an früher, als ihre Kleider noch sauber und ihre Eltern lebendig waren. Ihr Vater war ein großer König – oder hat sich zumindest so aufgeführt. Auf jeden Fall hatte er etwas mit diesem ominösen Krieg zu tun. Und ihre Mutter sang immer so ein schönes Lied: den “Skin Deep Song”. Sogar in ihren letzten Minuten … Was wie ein Hirngespinst zum Zeitvertreib klingt, scheint durch die Begegnung mit dem Soldaten Hal zur realen Vergangenheit zu werden. Jedenfalls kann er sich auch an das Königspaar erinnern – und an den Song …

Noah Haidle entführt die Zuschauer in die seltsam surreale Welt zweier Verlassener, die verblüffend hoffnungsvoll in die Leere ihres nachapokalyptischen Daseins schauen. Wie Wiedergängerinnen von Wladimir und Estragon aus Samuel Becketts “Warten auf Godot” wirken sie in ihrem ziellosen Dasein. Warten. Spielen. Scheitern. Weiter warten. Wieder spielen. Besser scheitern. Dieser Trip in Zukunft und Vergangenheit ist skurril, bitter und sehr komisch. Haidle erzählt von den verlorenen Schwestern auf der Suche nach dem Song ihrer Kindheit mit poetischem Witz, bösem Sarkasmus und voll tiefer Traurigkeit.

Der 33-jährige amerikanische Dramatiker und Drehbuchautor Noah Haidle ist Absolvent der Princeton University und der renommierten Juilliard School in New York. An beiden Schulen unterrichtete er dramatisches Schreiben, ebenso in Kenia und Uganda als Mitglied des Sundance Theatre Institute. Er gewann zahlreiche Preise und war mit seinen Stücken auf verschiedenen Festivals vertreten. Mit “Mr. Marmalade” präsentierte sich der Dramatiker 2009 erstmalig einem deutschen Theaterpublikum: Am Badischen Staatstheater Karlsruhe inszenierte Thomas Krupa die Deutschsprachige Erstaufführung des Theaterstücks. Zurzeit wird Haidles Drehbuch für die Gangsterkomödie “Stand Up Guys” mit Al Pacino, Alan Arkin und Christopher Walken verfilmt. Noah Haidle lebt in New York. - © Schauspiel Essen 

  • Inszenierung: Thomas Krupa
  • Bühne: Andreas Jander
  • Kostüme: Sabina Moncys
  • Musik: Mark Polscher
  • Dramaturgie: Carola Hannusch 

Peter Pan möchte niemals erwachsen werden. Auf seiner Insel Nimmerland, einer Traumwelt, die nur Kinder wahrnehmen können, ist er der Anführer der verlorenen Jungs, die einst ihren unachtsamen Kindermädchen aus dem Kinderwagen gefallen sind. 
Nimmerland ist zwar ganz wunderbar, doch fehlt es Peter an Geschichten, da es ja dort keine Erwachsenen gibt, die sie ihm erzählen könnten. Also fliegt er abends zusammen mit seiner streitsüchtigen Fee Klingklang nach London, um an den Fenstern der Kinderzimmer den Gute-Nacht-Geschichten zu lauschen. 
Auf einem dieser Ausflüge verliert er blöderweise seinen Schatten. Gerade als er ihn in einem Kinderzimmer wiedergefunden hat und ihn wieder anzukleben versucht, erwacht die kleine Wendy. Sie überredet Peter, ihr fliegen beizubringen und sie mitzunehmen nach Nimmerland. Aber dem Wind auf den Rücken zu springen ist gar nicht so einfach, wenn man es nicht gewohnt ist. 
Zum Ärger der eifersüchtigen Klingklang klappt es mit dem Fliegen schließlich doch, und Wendy erlebt mit Peter und den verlorenen Jungs wunderbare Abenteuer. Sie kämpft gemeinsam mit den Indianern und deren Anführerin Tiger Lily gegen Kapitän Hook und dessen fürchterliche Piraten und erzählt ihren neuen Freunden abends all die Geschichten, die sie von ihren Eltern kennt. Doch nach einiger Zeit bekommt Wendy Heimweh und erkennt, dass man viel versäumt, wenn man sein Leben lang in Nimmerland bleibt. Die Wirklichkeit und das Erwachsenwerden haben nämlich durchaus ihre Vorzüge und können ganz schön aufregend sein!

“Peter Pan” erzählt eine zauberhafte Geschichte über die Flucht aus dem Alltag in eine schwerelose Traumwelt ohne Pflichten, ohne Regeln und ohne Gedächtnis. Eine Geschichte über die Sehnsucht nach Freiheit und die Macht der Phantasie. Nach dem großen Erfolg der Uraufführung des Bühnenstücks veröffentlichte der schottische Schriftsteller James M. Barrie im Jahre 1911 die Erzählung “Peter and Wendy”, die als “Peter Pan” weltweite Berühmtheit erlangte und bis heute sowohl Kinder als auch Erwachsene fasziniert - © Schauspiel Essen

  • Inszenierung: Henner Kallmeyer
  • Musikalische Leitung: Burkhard Niggemeyer
  • Bühne: Franziska Gebhardt
  • Kostüme: Silke Rekort 
  • Dramaturgie: Marc-Oliver Krampe   

Wir schreiben Montag, den 4. Mai des Jahres 13,687963512 Milliarden vor Christus. Weitgehend unbemerkt von den Zeitgenossen beginnt an diesem Tage etwas, das unser aller Leben bis heute bestimmt: die Welt. Aus dem Nichts heraus erschafft Gott – oder wie sein Gegenspieler Darwin behauptet, ein etwa kirschgroßes Materie-Ei – all die Dinge und Lebewesen, wie wir sie heute, kurz vorm heiß ersehnten Weltenende, immer noch schätzen beziehungsweise am Hals haben: Sonne, Mond und Sternchen, Männer, Frauen und Liebe, Bibel und Evolutionstheorie, Neandertaler und Aminosäuren, Vorgesetzte und Kakerlaken, diese bunte Vielfalt des stofflichen und lebendigen Seins. Wer wirklich dahinter steckt, wie alles anfing, um wie viel Uhr es aufhört und was genau es eigentlich soll: Diese und noch mehr allerletzte Fragen beantwortet das Musical so leichtfüßig wie erhellend, so amüsant wie endgültig. - © Schauspiel Essen

  • Inszenierung: Caroline Stolz
  • Musikalische Leitung: Stephan Kanyar
  • Bühne und Kostüme: Lorena Díaz Stephens, Jan Hendrik Neidert 
  • Dramaturgie: Carola Hannusch   

Ente führt ein fröhliches und friedliches Entenleben am Bach. Sie liebt die Freiheit, die Natur, Regenwürmer und Wasserlinsen, beides am liebsten frisch gegründelt, und vor allem einen geregelten Tagesablauf. Ein richtig entiger Morgen beginnt zunächst einmal mit der ausgiebigen Gefiederpflege: Schnabel – ok! Flügel – ok! Bürzel – ok! Entenfüße – ok! Danach wird die Wassertemperatur geprüft, gegurgelt, gespült, gespuckt und dann: rein in den Bach und los geschwommen. Zuerst kraulen, dann Rückenschwimmen, dabei kann man prima Wolken beobachten, und nach dem Morgenprogramm ist es endlich Zeit für das liebste Entenhobby: Sachen gründeln und verrückte Erfindungen daraus bauen. So könnte es ewig weitergehen! Aber plötzlich steht ein Fremder am Ufer und beobachtet sie. “Bestatten, Tod”, stellt der sich höflich vor und Ente kann es gar nicht fassen: Den Tod hat sie sich nun wirklich ganz anders vorgestellt. Mehr so als Fuchs. Und dass er dann auch noch statt einer Sense ihre Lieblingsblume dabei hat – eine Tulpe – das ist doch wirklich erstaunlich! Wo kommt er plötzlich her? Neugierig mit ihm plaudernd erfährt sie, dass er schon immer in ihrer Nähe war, ihr ganzes Leben. Nur für den Fall. 
Die beiden lernen sich kennen und werden richtig gute Freunde. Sie spielen zusammen am Bach und reden über Gott und die Welt – und den Tod. Kurz: Sie genießen das Leben. Eines Abends, als Ente nach dem Planschen und Gründeln ein bisschen friert, umarmt sie der Tod freundschaftlich. Müde fallen ihr die Augen zu, und der Tod streicht ihr behutsam noch einmal die Federn glatt.

Mit Wolf Erlbruchs liebevoller und leichtfüßiger Geschichte werden die Kleinsten auf einfühlsame Weise mit dem Thema Tod vertraut gemacht. - © Schauspiel Essen

  • Inszenierung: Anne Spaeter
  • Bühne und Kostüme: Janine Hoffmann
  • Musik: Tobias Sykora
  • Dramaturgie: Marc-Oliver Krampe