Spielzeit 2017/18

Metropolis weiß nicht, was Sonntag ist. Metropolis kennt nicht Feste noch Feiern. Alle zehn Stunden brüllt die riesige Maschine im „Neuen Turm Babel“, dem Zentrum von Metropolis, nach Futter. Und alle zehn Stunden schlürft das offene Tor des Turmes eine neue Schicht Arbeiter ein, während es eine alte, verbrauchte Schicht ausspeit – Tag für Tag, Jahr für Jahr. Strikt getrennt sind die Leben der Menschen in dieser gigantischen Stadt: In der Unterstadt hausen die Arbeitenden in elenden Verhältnissen. Oben aber schwelgen die Bessergestellten im paradiesischen Luxus der „Ewigen Gärten“. Ganz oben, in der Hirnschale des Neuen Turms Babel, wacht der Herr von Metropolis, der Oligarch Joh Fredersen, über die Geschicke „seiner“ Stadt. Doch es knirscht im urbanen Getriebe: Bei verunglückten Arbeitern werden geheimnisvolle Pläne gefunden. Im Bauch von Metropolis rumort es, man wittert einen Aufstand. Die geheimnisvolle und bildschöne Maria predigt in der Unterstadt zu den Arbeitenden. Ihre Botschaft: Nur ein Mittler zwischen den Mächtigen und den Arbeitenden könne die Verhältnisse bessern. Als sie eines Tages in den „Ewigen Gärten“ auftaucht, verliebt sich Joh Fredersens Sohn Freder Hals über Kopf in die junge Frau und folgt ihr heimlich in die Tiefe. Mit der dortigen Not konfrontiert, gerät auch sein Weltbild ins Wanken – und damit die gesamte Ordnung von Metropolis.

Paradiesische Zustände und nacktes Elend, Technologie und Liebe, Rache und Aufstand: Fritz Langs Film „Metropolis“ zeichnet 1926 das düstere Bild einer dystopischen Zukunftsgesellschaft, welches bis heute fasziniert – auch weil die Spaltung der Gesellschaft sich nach wie vor sowohl real in unseren Städten als auch in der immer weiter auseinanderklaffenden globalen Schere zwischen Arm und Reich manifestiert.

sputnic ist ein Kollektiv von Medienkünstlern, das seit 2004 mediale Szenografien für Theaterstücke produziert, Filme und Installationen schafft und ortsbezogene Interventionen entwickelt. Aus diesen Erfahrungen gestalten sie ihr eigenes Format: Live Animation Cinema, ein Trickfilm, der vor den Augen der Zuschauer animiert, geschnitten und vertont wird. Dabei setzen die Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne Kameras, Projektoren, Modelle, Illustrationen und Folien in Bewegung, aber auch ihre Körper, Stimmen und Instrumente ein. Die erste Inszenierung „Die Möglichkeit einer Insel“ erntete 2015 den Kritikerpreis der Stadt Dortmund. Die zweite live animierte Inszenierung „Out of Control“ folgte 2016 gemeinsam mit dem Regieteam kainkollektiv am Theater Bremen (Moks). - © Schauspiel Essen

  • Konzept, Buch und Inszenierung: Nils Voges
  • Bühne: Michael Konstantin Wolke
  • Kostüme: Vanessa Rust
  • Illustrationen: Julia Zejn
  • Soundinstallation: Holger Brandt
  • Dramaturgie: Florian Heller

Beim gemeinsamen WG-Abendessen lässt Benny die Bombe platzen: Er wird als Dozent in die USA gehen, für ein Jahr. Und da wäre es doch super, wenn er in dieser Zeit sein Zimmer Flüchtlingen zur Verfügung stellen könnte – damit die auch mal „eine Chance bekommen, ein bisschen in dieser Gesellschaft anzukommen“. Und auch für seine Mitbewohner könnte das doch eine tolle Erfahrung werden! Die Fotografin Sophie ist sofort begeistert: Da drängt sich ein Dokumentarprojekt ja quasi auf! Doros Bedarf an Kontakt mit fremden Lebenswelten hingegen ist gedeckt; die WG-Älteste hat nicht vor, daheim soziale Experimente zu starten. Und wenn Jonas seine Probezeit bei der Bank schon hinter sich hätte, fände er Bennys Idee total gut, aber der Lärm …
Doch auch Studentin Anna hat aufregende Neuigkeiten zu verkünden: Sie ist schwanger und würde gern mit dem Kindsvater zusammenziehen. Als der später vorbeischaut, bekommt die Diskussion eine neue Note – denn der sympathische Sozialarbeiter Achmed äußert sich unverblümt über Araber und Gutmenschen.

Wo verläuft unsere Toleranzgrenze? Wie steht es wirklich um die Bereitschaft, die eigene Komfortzone aufzugeben? Lutz Hübner und Sarah Nemitz holen die Diskussion über den derzeitigen gesellschaftlichen Wandel ins Wohnzimmer der jungen bürgerlichen Mitte. Mit großem Gespür für Komik schaffen sie lebensnahe Figuren, die mehr mit uns gemein haben, als uns lieb ist. Hübner zählt zu den meistgespielten Gegenwartsdramatikern, seine Stücke werden international aufgeführt und für Kino und Fernsehen verfilmt. - © Schauspiel Essen

  • Inszenierung: Thomas Ladwig
  • Bühne und Kostüme: Ulrich Leitner
  • Dramaturgie: Vera Ring