Spielzeit 2019/20

Stellen Sie sich vor, was hätte passieren können, wenn Eric Clapton, Johnny Cash und Leonard Cohen ein unvergleichliches gemeinsames Konzert gegeben hätten.
Und nun hören Sie bitte wieder auf, sich das vorzustellen, denn an dem Ort, an dem wir uns befinden, ist keiner der drei je gewesen: Mitten im amerikanischen „Rust Belt“ liegt zwischen einer Tankstelle und einem Reifenlager das „After Midnight“, und wie die gesamte Region hat auch dieser Laden schon bessere Tage gesehen. Als Patties Mutter ihn eröffnete, spielten hier allabendlich mehr oder minder erfolgreiche Bands, und die Spirituosen flossen in Strömen. Jetzt fließt gar nichts mehr, vor allem kein Geld, und Pattie hätte der trostlosen Spelunke und ihrer Heimatstadt längst den Rücken gekehrt, gäbe es nicht einerseits die Verpflichtung dem mütterlichen Erbe gegenüber und andererseits ihren Freund Rick, der seine Karriere als Musiker partout nicht aufgeben will. Ausgerechnet in einer stürmischen und schneeverwehten Silvesternacht will er mit einem Konzert im „After Midnight“ das große Comeback seiner Band feiern.
Aber in dieser Nacht treibt vielleicht Zufall, vielleicht eine Planetenkonstellation oder einfach nur die Kälte auch noch den reisenden Händler Cassius und den eloquenten aber geheimnisvollen Dichter Norman in die Bar. Vier einsame Seelen sitzen nun abgeschnitten von der Außenwelt am Tresen des „After Midnight“, und es entspinnt sich ein abgründiges Spiel um Zukunft, Vergangenheit, Liebe, Trauer, Schuld und Hoffnung.

Ausgangspunkt für „After Midnight“ war die Idee von Ensemblemitglied Thomas Büchel zu einem musikalischen Programm mit Songs von Eric Clapton, Johnny Cash und Leonard Cohen, deren Werke und Biografien exemplarisch für tiefe Einsichten, tiefe Gefühle, aber auch tiefe Abgründe stehen. Ein „Grindhouse-Liederabend“ irgendwo im Niemandsland zwischen Edward-Hopper-Gemälden, Tarantino und Blues: „There is a crack in everything. That's how the light gets in.“ - © Schauspiel Essen

  • Inszenierung: Christian Tombeil
  • Bühne und Kostüme: Ivonne Theodora Storm
  • Musikalische Leitung: Hajo Wiesemann
  • Dramaturgie: Florian Heller

Ein Haus in Dresden, 1993. Witha zieht mit Tochter Heidrun und Enkelin Hannah dort nach langer Abwesenheit wieder ein. Hier hat sie fast 20 Jahre ihres Lebens verbracht. 1935 hatte Witha das Haus gemeinsam mit ihrem Ehemann Wolfgang einer jüdischen Familie abgekauft. Voller Erinnerungen steckt das Gebäude, Erinnerungen an Wolfgang, an Krieg, an ihre Republikflucht in den Westen 1953. Während Hannah an einem Referat über Vorbilder arbeitet und dafür ihren Großvater auswählt, der während der NS-Zeit eine jüdische Familie rettete, kommt eine Fremde, Stefanie, zu Besuch um „zu stören“. Auch sie hat einmal in diesem Haus gelebt und macht nun Ansprüche geltend – rechtlicher und moralischer Art ...

Marius von Mayenburg verbindet in „Der Stein“ Gewesenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges. Knapp 60 Jahre deutscher Geschichte verdichtet er zu einem hochspannenden Familiendrama, das sowohl die Zeit des Nationalsozialismus als auch die innerdeutschen Ver- und Entwicklungen, die mit Gründung und Zerfall der DDR einhergingen, beleuchtet. Dabei vollzieht der 1997 mit dem Kleist-Förderpreis für junge Dramatik ausgezeichnete Autor in raffinierten Zeitsprüngen die Schicksale von fünf Frauen nach, deren Konfrontation miteinander Fragen nach Schuld und Verdrängung aufwirft. Allen Figuren gemeinsam ist die Flucht vor der eigenen Vergangenheit bzw. deren Mythologisierung. Doch wie lange lässt sich eine sorgsam aufgebaute Familienlegende aufrecht erhalten? - © Schauspiel Essen

  • Inszenierung: Elina Finkel
  • Bühne: Norbert Bellen
  • Kostüme: Jessica Karge
  • Dramaturgie: Carola Hannusch, Judith Heese